Vom Hinfallen und Aufstehen

ISonnenuntergang Kanal1ch möchte heute nochmal auf meinen Rückblick zum Februar eingehen. Maria von widerstandistzweckmäßig hat mir den Anstoß gegeben, mich erneut mit dem Thema zu beschäftigen, ob ich auf bestimmte Dinge verzichten will und kann. Sie hat vor zwei Tagen einen Blogpost zum Thema Perfektionismus geschrieben. Darin hat sie das Pareto-Prinzip beschrieben, welches ich vorher noch nicht kannte. Das hat mich noch einmal darüber nachdenken lassen, wie weit ich gehen will, um meinen (Plastik-) Müll zu reduzieren.

Zunächst habe ich gedacht, ich schaffe es irgendwann komplett ohne Plastik. Ich habe es mir sehr schwierig vorgestellt, aber irgendwie machbar. Das denke ich auch immer noch. Aber es stimmt, für bestimmte Dinge müsste sehr viel Aufwand betrieben werden. Ich bin zum Beispiel nicht bereit auf herkömmliches Toilettenpapier zu verzichten, auch wenn das bedeutet, dass ich es im Plastikbeutel kaufen muss. Aber ich fange an, darüber nachzudenken, wie ich diesen Müll vielleicht noch sinnvoll nutzen kann (z.B. die Verpackung des Klopapiers als Müllbeutel für das Badezimmer).

Ich habe in meinem Februar-Rückblick geschrieben, dass es eigentlich nicht schlimm ist, sich auch mal etwas zu gönnen, das in Plastik verpackt ist. Das sehe ich auch immer so. Denn immerhin machen wir unsere Regeln, nach denen wir leben wollen, selbst. Ich erlebe immer wieder, dass mir Leute erzählen wollen, dass ich dann ja dieses oder jenes nicht mehr darf. Das passiert vermutlich nicht nur mir, sondern z.B. auch Menschen, die vegan leben. Aber es ist meine Entscheidung, des es ist mein Leben und ich mache die Regeln.

Allerdings verzichte ich ja nicht nur für mich und meine Gesundheit auf das Plastik, sondern auch für die Umwelt. Letzten Monat stand ich zweimal vor der Entscheidung, einfach nach Appetit zu kaufen oder meinen Vorsatz strickt durch zu ziehen. Einmal habe ich mich für das Plastik und für den Geschmack entschieden (vor allem weil ich krank war und das ist ja sowieso eine Ausnahmesituation) und einmal habe ich mich dagegen entschieden.

Jetzt kommen wir aber zu der Frage nach dem „Warum“? Nun, einerseits bin ich sehr ehrgeizig und strebe gerne nach Perfektionismus, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Andererseits habe ich mich gegen die Tüte Chips entschieden, weil ich finde, dass es das nicht wert ist. Für den kurzen Heißhunger, den ich hatte, hätte sich der Abfall nicht gelohnt. Das ist etwas, das für mich in keinem Verhältnis steht.

Anders sieht es bei Dingen aus, die für mich mehr Nachhaltigkeit haben. Nachhaltigkeit im Sinne von Erinnerung und Freude (oder auch Langlebigkeit). Eine Tüte Chips bringt ein kurzes Sättigungsgefühl und das wars dann. Zumal die Chips ja auch nicht gerade super gesund sind. Wenn ich aber z.B. im Urlaub bin und etwas erleben will oder schön essen will mit meinen Freunden, dann habe ich davon mehr. Ich habe dann eine Erinnerung an einen schönen Urlaub oder einen schönen Tag. In einer solchen Situation würde ich anders darüber nachdenken. Denn ich kann mir auch nicht jede Freude nehmen. Immerhin geht es ja darum, lebendig zu leben.

Das Gleiche ist es, wenn der Verzicht auf Plastik oder Müll im Allgemeinen einen großen Aufwand darstellen würde, der sich absolut nicht lohnt. So kaufe ich z.B. lieber eine einzige Sache, die in Plastik verpackt ist, wenn ich damit mehrere Dinge selbst herstellen kann, die ich dann nicht in Plastik kaufen muss. Damit verzichte ich dann im Endeffekt auf mehr Müll, als wenn ich alles fertig im Laden kaufe.

Ich würde also sagen, dass ich nicht einfach auf alles verzichte, egal wie schwer es mir fällt, sondern die Freude an bestimmten Dingen nicht vergesse und es auch mal langsamer angehen lasse. Denn ich muss nicht von heute auf morgen perfekt sein. Perfektion werde ich sowieso nicht erreichen, das ist unmöglich. Aber man muss nach dem Unmöglichen streben, um das Mögliche zu erreichen, wie schon Hermann Hesse sagte. Ich lasse mir die Zeit für meine Umstellung, die ich benötige. Und wenn es mal einen „Rückschlag“ gibt, dann ist das eben so. Dann macht man am nächsten Tag weiter und bald ist es vergessen.

Es wird immer Dinge geben, an die man sich schwer gewöhnt und Dinge, die man sehr schnell austauschen kann. Und alles braucht seine Zeit. Und die sollten wir uns nehmen, egal worum es geht. Denn im Endeffekt geht es immer um uns selbst. Wir müssen mit dem glücklich sein, was wir tun und wir müssen es verantworten können.

Es ist nicht schlimm hinzufallen! Wichtig ist, wieder aufzustehen.

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5 Gedanken zu “Vom Hinfallen und Aufstehen

  1. Hallo liebes grünes Einhorn,

    Mich hat Maria auf deinen Blog, den ich übrigens klasse finde, gebracht, weil ich auch zum Thema Rückschläge und Frustmomente in Bezug Zero Waste gebloggt hatte.
    Ich sage auch immer wieder, es braucht seine Zeit, bis man sich an etwas gewöhnt oder eine Alternative findet. Interessant ist nur, dass sich auch bei mir, wie bei dir eben auch, Leute einmischen und meinen, man dürfe dann dies und jenes nicht. Aber was heißt das „dürfen“? Man macht es ja freiwillig. Und man tut das, was geht. Bei manchen Außenstehenden schleicht sich das Gefühl ein, dass sie Perfektionismus bei !meinem! Tun voraussetzen.
    Ich will aber gar nicht perfekt sein. Perfekte Menschen sind doch unheimlich….😊

    Liebe Grüße

    Steffi

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    • Vielen Dank 🙂 freut mich, dass dir mein Blog gefällt!
      Ja, ist schon witzig, wie viele „Regeln“ denen dann auf einmal einfallen. Aber ich denke, das liegt daran, dass diese Menschen von sich selbst ablenken wollen, und auch nicht dahin gucken wollen, weil es eben anstrengend ist und man sich ja auch evtl, eingestehen muss, dass man nicht besonders nachhaltig handelt.
      Und dann versuchen sie uns „Regeln“ aufzustellen, die uns und vor allem ihnen selbst beweisen sollen, dass das ja völlig unmöglich ist. Egal, ob es jetzt vegetarisch oder vegan leben oder auf Plastik verzichten ist. Aber es braucht eben jeder seine Zeit.
      Und ja, perfekte Menschen wären sehr unheimlich. 😀 und langweilig!
      Lieben Gruß zurück

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      • Perfekte Menschen sind nicht nur unheimlich…ich finde sie teilweise sogar langweilig, weil es keine Überraschungen mehr gibt. Was genau ist denn eigentlich Perfektion? Das definiert doch jeder anders, denke ich.

        Das mit den Regeln stimmt, aber meistens sind es doch solche Menschen, die immer alles besser wissen, aber nur sehr selten etwas besser machen. Oder sehe ich das falsch?

        LG von Karin

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    • Ja, ich mag das auch 🙂 Allgemein mag ich das am Internet, so hat man einfach die Möglichkeit ganz viel Neues zu entdecken. Man muss nur darauf achten, dass nicht alles immer gut ist oder stimmt. Aber man hat die Chance sich auch über den Freundes- und Bekanntenkreis hinaus auszutauschen und dabei viel zu lernen 🙂
      Lieben Gruß

      Gefällt 1 Person

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