Gentechnik #4 – Gentechnik in Lebensmitteln

GentechnikIm 4. Teil der Gentechnik-Reihe soll es nun um die Lebensmittel gehen. Gentechnik hat das Ziel, den Ertrag der Pflanzen zu steigern. Aber wird das nur zum Zwecke der Nutzung für Biosprit, Textilien und ähnlichem gemacht oder auch für ganz normale Lebensmittel? Und wenn Gentechnik für Lebensmittel genutzt wird, kann ich das beim Einkauf sehen?

Wird Gentechnik auch bei Lebensmitteln angewandt?

Der Großteil der Verbraucher lehnt Gentechnik ab, deshalb verhalten sich viele Gentechnikhersteller vorsichtig im Bezug auf den direkten Einsatz in Lebensmitteln. Dennoch werden Produkte vertrieben, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten.

Vor allem bei Produkten, die Zutaten oder Zusatzstoffe aus Sojabohnen enthalten kann sehr oft gentechnisch verändertes Soja zum Einsatz gekommen sein. Dieses Soja kommt zum Großteil aus den USA, Argentinien und Brasilien, wo zumeist gentechnisch verändertes Soja auf den Feldern wächst. Aber auch bei Maisprodukten, wie z.B. Maisstärke ist die Gefahr hoch, dass gentechnisch veränderter Mais verwendet wurde. Diese Stärke gibt es nicht nur in reiner Form zu kaufen, sondern sie wird auch oft als Basis für Zutaten wie Glukosesirup und Traubenzucker verwendet.

Desweiteren produzieren oft gentechnisch veränderte Mikroorganismen die Vitamine und Zusatzstoffe, die in unseren Lebensmitteln und Medikamenten enthalten sind. Auch Enzyme, die zum Beispiel zur Herstellung von Käse gebraucht werden, werden oft von Mikroorganismen hergestellt. Eine weitere Möglichkeit für Gentechnik ist Honig. Die Bienen unterscheiden nicht zwischen natürlichen und Gentechnik-Pollen und so kann der Honig ebenfalls Gentechnik beinhalten, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt. Es reicht in diesem Fall aus, wenn der Honig aus Gebieten kommt, in denen viel Gentechnik angebaut wird.

Gentechnik kommt in deutschen Supermärkten nicht sehr oft vor, zumindest nicht die Produkte, die gekennzeichnet werden müssen. Aber Vorsicht ist vor allem da geboten, wo aus Asien oder Amerika importierte Produkte verkauft werden!

Kann ich erkennen, wo Gentechnik drin ist?

Grundsätzlich müssen Lebensmittel gekennzeichnet werden, die Gentechnik enthalten. Aber wie so oft, gibt es auch hier Ausnahmen. Es müssen nur Produkte gekennzeichnet werden, die

  • selbst ein gentechnisch veränderter Organismus sind, z.B. Gen-Mais oder Gen-Tomaten
  • gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder daraus bestehen, z.B. Hefeweizen oder Hefeextrakt mit genmanipulierter Hefe oder Joghurt mit gentechnisch veränderten Milchsäurebakterien
  • unmittelbar aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt sind
  • und unabhängig davon, ob diese Organismen im Endprodukt nachweisbar sind, z.B. bei Ölen etc.

Alle Produkte, die gezielt mit Gentechnik hergestellt werden, unterliegen also einer Kennzeichnungspflicht ohne Schwellenwert. Anders sieht es da aus, bei Produkten, die weniger als 0,9% Gentechnik-Anteile enthalten, wenn

  • die Gentechnik-Beimischung zufällig und unbeabsichtigt in das Produkt gelangt ist.
  • der Hersteller beweisen kann, dass er sich um gentechnikfreie Produkte bemüht hat.

Diese Produkte müssen nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden (Quelle). Die Kennzeichnung der Produkte (falls vorgeschrieben) erfolgt in der Zutatenliste, entweder als „genetisch verändert“ oder „aus genetisch verändertem … hergestellt“. Diese Kennzeichnung ist auch in Restaurants und Kantinen vorgeschrieben, z.B. als Hinweisschild oder direkt auf der Speisekarte.

Was ist nicht gekennzeichnet?

Ein sehr großer Bereich, der nicht gekennzeichnet werden muss, sind tierische Produkte, wie Fleisch, Eier, Milch etc., wenn das Tier mit Gentechnik-Futter gefüttert wurde. Hier wird davon ausgegangen, dass die genetische Veränderung nicht im Endprodukt nachweisbar ist. Das wurde allerdings bereits in einigen wissenschaftlichen Studien widerlegt. Es konnten bereits bei Masthähnchen und Rindern veränderte Gensequenzen im Muskelfleisch nachgewiesen werden. Welche Auswirkungen das für uns hat, ist noch nicht klar. Zudem kommen alle Produkte, die unter die 0,9%-Regelung fallen und Zusatzstoffe wie Aromen, Geschmacksverstärker, Vitamine und Enzyme, die mithilfe genetisch veränderter Mikroorganismen hergestellt wurden.

Wir können also leider nicht sicher sein, ob die Produkte, auf denen keine Gentechnik-Kennzeichungen sind, auch wirklich frei von Gentechnik sind.

Wie lässt sich Gentechnik vermeiden?

Gentechnik zu vermeiden entpuppt sich also als nicht ganz einfaches Vorhaben. Es gibt allerdings ein paar Hersteller, die ihre Produkte freiwillig mit einem „Ohne Gentechnik“-Siegel kennzeichnen. Hier gibt es zum Beispiel von der Verbraucherzentrale Hamburg eine kleine Liste mit gentechnikfreien Produkten.
Ansonsten hilft es sehr, Produkte zu kaufen, die nicht zu stark verarbeitet wurden. Denn solche Produkte fallen sehr oft aus den Richtlinien zur Kennzeichnung und so bleibt die Gentechnik verborgen. Auch hier habe ich noch einen Link für euch, welche Richtlinien es gibt und wo Gentechnik oft nicht auffällt.


Hier gehts zu den anderen Beiträgen der Gentechnik-Reihe:

Gentechnik #1 – Was ist das?
Gentechnik #2 – Ist das wirtschaftlich sinnvoll?
Gentechnik #3 – Anbaugebiete


einfach.nachhaltig.besser.leben [#EiNaB]

Diesen Beitrag verlinke ich zur neuen Blogparade Einfach. Nachhaltig. Besser. Leben
Die Linkparty findet im April auf diesem Blog statt.

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10 Gedanken zu “Gentechnik #4 – Gentechnik in Lebensmitteln

  1. Pingback: Kein Sommerloch bei {EiNaB}: Rückblick auf die Juni-Parade | Verrücktes Huhn - Neues aus dem wahren Leben

  2. Pingback: Rückblick – Der Juni | Grünes Einhorn

    • Ja, das finde ich auch. Vor ein paar Jahren dachte ich noch, was soll denn passieren, wenn ich veränderte Lebensmittel esse, immerhin verändert das mich nicht. Aber mittlerweile frage ich mich echt, wer die Auswirkungen kontrollieren kann. Niemand weiß mehr, wie sich die Pflanzen verhalten, welche neuen Eigenschaften sie jetzt haben etc.
      LG!

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      • In den USA gab es Farmer deren Rinderbestände an Gentechnisch veränderten Pflanzen qualvoll starben. Wenn man bedenkt das Mais selbst Gifte produziert um Schädlinge zu bekämpfen und dieses Gift später noch im Fleisch nachweissbar ist – wie gesund kann das sein? Glyphosat (Monsantos Roundup) ist mittlerweile nachweisbar im Menschen – siehe Website der Albert Schweizer Stiftung:
        http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen

        Gentechnik kann und darf nicht verharmlost werden.

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    • Die Langzeitfolgen kann keinn Mensch abschätzen. Wenn man heute nach Korea sieht wo die Menschen immer noch, dank Monsantos Roundup (Entaubungsmittel im Vietnamkrieg) missgebildet oder als Totgeburt auf die Welt kommen , können wir davon ausgehen das dies bei uns in ähnlicher Form, nur schleichender und fieser passieren wird. Das nachzuweisen wird dann schwierig, weil sich verschiedene Umweltgifte vermischt haben werden. Generell ist Gentechnik nur zur Ertragsteigerung (Gewinnmaximierung) der Konzerne gedacht. Der Vorwand die Welt ernähren zu wollen ist vorgetäuscht und hat nur zum Ziel den wahren Grund zu verschleiern, nämlich die Macht über die Ernährung an wenige Konzerne zu binden. Wie Tollkien schon schrieb: „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
      ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“

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      • Und wenn man dann mal bedenkt, dass der Ertrag bei Gentechnik-Pflanzen meist geringer ist, dann stellt sich mir wirklich die Frage, warum das alles so zugelassen und hingenommen wird.

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  3. Pingback: Gentechnik #3 – Anbaugebiete | Grünes Einhorn

  4. Pingback: Gentechnik #2 – Ist das wirtschaftlich sinnvoll? | Grünes Einhorn

  5. Pingback: Gentechnik #1 – Was ist das? | Grünes Einhorn

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